Marmorwanne in einer Fürstenzelle im Badehaus Bad Nauheim
Badehäuser

Badehäuser Bad Nauheim – Jugendstil

Die Badehäuser in Bad Nauheim, die sich rechts und links entlang des Sprudelhofes reihen, sind – oder sagen wir besser – waren für den Kurgast eigentlich die wichtigsten Gebäude. Hier wurden die so wichtigen Heilbäder wegen derer der Gast ja gekommen war, verabreicht. Hier hielt man sich für seine Anwendungen auf und verbrachte hier auch einen guten Teil des Tages.

Um 1900 herum, als diese Jugendstilanlage erbaut wurde, da hatte das Kuren noch einen völlig anderen Stellenwert als heute. Es waren vor allem die Reichen und Schönen, die ins Bad reisten. Hier, im Kurbad verbrachte man den Sommer und man erwartete viel. Denn es ging nicht nur um die Gesundheit, nicht nur um die heilsamen Anwendungen.

Vor allem die adeligen Kurgäste – und von denen gab es in Bad Nauheim reichlich – erwarteten auch einen gewissen Grad an Luxus. Diesem Anspruch sollten auch die neuen von Wilhelm Jost entworfenen Badehäuser gerecht werden. So bestehen alle Badehäuser zunächst aus einem repräsentativen Warteraum. An diesen schließen sich die an langen Fluren aufgereihten Badezellen an. In der Mitte eines jeden Badehauses befindet sich ein kleines begrüntes Atrium: der sogenannte „Schmuckhof“.

Für die besonders hochgestellten Gäste, wie etwa Kaiser, Könige und Zaren gab es zudem abgetrennte Bereiche: die sogenannten „Fürstenbäder“. Und damit nicht jeder gewöhnliche Bade- bzw. Kurgast sah, wer denn so alles an hochrangigen Gästen in eben jene Bäder ging, hatten diese einen Zugang von der rückwärtigen Seite aus.

Insgesamt gibt es sechs Badehäuser in Bad Nauheim:

Eingang Badehaus 2 Bad Nauheim - Sprudelhof - Jugendstil
Eingang zum Badehaus 2 in Bad Nauheim
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Badehaus 2 – Bad Nauheim

Betritt der Kurgast ein Badehaus, so steht er erst einmal in einem großen und opulent ausgestatten Wartesaal. Hier gibt es Tische und Stühle. Man kann Platz nehmen und die Wartezeit auf die Anwendung in angenehmer Atmosphäre verbringen. Eine Nische ist ausgestatte als Anmeldebereich. Während der Wartezeit kann man sich die Zeit vertreiben beim Gespräch oder einfach bei der Betrachtung des teils opulenten Schmucks, den die Räume tragen. Dabei ist jeder der sechs Warteräume ganz einzigartig ausgestattet und geschmückt. Immer aber haben die Motive einen Bezug zum Wasser und dessen Heilkraft.

Die Innenausstattung des Warteraums in Badehaus 2 ist nicht vollständig erhalten. Ursprünglich hingen hier Wandbilder von Friedrich Wilhelm Kleukens (1878-1956). Heute findet man diese Wandbilder im Parterre des Dolce Hotels ins Bad Nauheim.

Die Badezellen sind pragmatisch und eher schlicht aber dennoch behaglich ausgestattet. Die Fliesenmuster sind auch eher einfach und fügen sich gut in das Gesamtkonzept des heilenden Wassers ein.

Der Schmuckhof von Badehaus 2 ist komplett mit blauglasierten Ziegeln und Terrakotta-Tafeln ausgestaltet. Geschaffen wurden sie von Heinrich Jobst, der auch schon im Sprudelhof seine Handschrift hinterließ. Die Ziegel stammen aus der Manufaktur von Jacob Julius Scharvogel (1854-1938).

Im Badehaus 2 befindet sich das einzige noch fast vollständig erhaltene Fürstenbad. Dieses Bad galt schon seit seinem Bestehen als das vornehmste und schönste und war nur besonders hochgestellten Kurgästen vorbehalten.


Flur Badehaus 3 - Sprudelhof - Jugendstil
Flur in Badehaus 3 – Ausstellungsbereich des Jugendstilvereins Bad Nauheim
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Badehaus 3

In einem runden und fast vollständig mit buntem Mosaik ausgestalteten Wartesaal wird der Kurgast in Badehaus 3 empfangen. Das Fensterglas ist klar und in weiße Holzsprossen eingesetzt. Das Originalmobiliar dieses Badehauses bestand aus hellem Kirschbaumholz. Eben dieses Originalmobiliar ist tatsächlich erhalten geblieben. Wilhelm Jost hatte es speziell für diesen Raum entworfen und bauen lassen.

Die Badezellen sind auch hier eher schlicht, aber dennoch sehr elegant gehalten. In Badehaus 3 gibt es auch Badezellen mit Doppelwannen. Diese waren Ehepaaren vorbehalten. Anderes hätte die Etikette der Zeit nicht zugelassen. Klare und wieder mit Bezug auf das heilende Wasser versehene Muster zieren die Fenster.

Mit einem eckigen Wasserbassin ist der Schmuckhof von Badehaus 3 versehen. In diesem Bassin findet sich eine Brunnenfigur: ein Kind auf einer Schildkröte. Umrahmt ist der Schmuckhof von berankten Pergolen. Kletterrosen sind es, die hier mit reichem Blütenschmuck den Betrachter bezaubern. Sie wurden durch bürgerschaftliches Engagement wieder angepflanzt, nachdem der Schmuckhof zeitweilig seine Bepflanzung und seinen Charme verloren hatte.

 Eine Fürstenzelle gab es auch in Badehaus 3 wieder. Hier waren es drei aufeinanderfolgende Räume.


Badezelle für Zwei mit Doppelwanne
Badehaus
Badezelle für Zwei – Badehaus Bad Nauheim
historische Postkarte gemeinfrei

Badehaus 4

Badehaus 4 und 5 sind die ersten beiden Badehäuser in Bad Nauheim gewesen, die in den Jahren 1905 und 1906 nach den Plänen von Wilhelm Jost in Bau gingen. Drei Jahre zuvor hatte er bereits das neue Inhalatorium der Stadt errichtet.

Der Warteraum von Badehaus 4 ist mit Lahnmarmor ausgestattet. Kleine Farbmosaike und Bronze-Leuchter, sowie große Spiegel und Kristalltüren in schweren Bronzerahmen empfangen hier den Besucher und vermitteln ein opulentes und äußerst elegantes Gefühl. Betritt man heute diesen Raum mit seinen Farbfenstern, so ist es wie eine Zeitreise in die Welt um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

Auch hier sind die Badezellen eher schlicht aber dennoch elegant und vor allem praktisch ausgestattet. Und wieder finden wir das spezielle Mobiliar, das Wilhelm Jost entworfen hat. Der dezente Schmuck an Fliesen und Fenstern ist, wie in allen anderen Badehäusern auch, mit Motiven aus der Welt des Wassers versehen.

Die Gestalt des Sprudelhofs findet sich hier im Schmuckhof wieder. Er erinnert an einen barocken Grottenbau. Auch an Kreuzgänge mittelalterlicher Klöster fühlt man sich erinnert in diesem Schmuckhof. Auch eine Brunnenanlage findet sich in diesem Schmuckhof. Eine Fratze aus Bronze speit das Wasser aus.

Die Fürstenzelle in Badehaus 4 war ähnlich aufgeteilt wie in Badehaus 2 und wieder bestand sie aus insgesamt drei Räumen.


Badehaus 5 Bad Nauheim - Schmuckhof
Ein ganz besonderer Blick in den Schmuckhof von Badehaus 5
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Badehaus 5

Schon die Eingangstür zum Wartebereich von Badehaus 5 ist opulent gestaltet mit einer Bronzetür und eingelegtem Kristallglas über der sich ein Muschelornament befindet. Badehaus 5 und 4 sind weitgehend ähnlich. Auch hier herrscht im Warteraum wieder Lahnmarmor mit rötlich-brauner Farbe vor. Verziert wurde er in diesem Badehaus mit Goldmosaiken. Florale Ornamente durchziehen den Raum.

Die Badezellen sind mit denen in den übrigen Badehäusern vergleichbar. Die Möblierung mit einer Kommode, einem Stuhl und Stiefelknecht zieht sich durch alle Badehäuser in Bad Nauheim hindurch. Auch die Fliesen und die farbigen Fenster finden sich hier wieder mit Motiven, die das Wasser und seine heilende Wirkung aufgreifen.

Betrachten wir den Schmuckhof von Badehaus 5 so fällt auf, dass er dem von Badehaus 4 in einigen Punkten ähnelt. Auch hier fühlt man sich an barocke Grottenbauten und mittelalterliche Kreuzgänge erinnert. Und auch hier findet sich wieder eine Brunnenanlage. In diesem Schmuckhof aber ist es ein gehörntes steinernes Ungetüm aus dessen Maul das Wasser für den Brunnen tritt.

Eine Fürstenzelle war für Badehaus 5 nicht vorgesehen.


Badezelle Bad Nauheim
Herein … Anzeige an der Tür einer Badezelle
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Badehaus 6

Der Warteraum von Badehaus 6 ist heute nicht mehr zugänglich. Auch seine ursprüngliche Ausgestaltung ist nicht mehr bis ins letzte Detail zu klären.

Wie in allen übrigen Badehäusern in Bad Nauheim waren auch hier in Badehaus 6 die Badezellen ausgestattet. Wieder fand sich das von Wilhelm Jost eigens entworfene Mobiliar und an den Enden der Gänge waren Ruheräume für die Kurenden vorgesehen.

Der Schmuckhof von Badehaus 6 wird dominiert von Fratzen. Glänzend weiß sind sie und heben sich deutlich von den blaugrauen Wandflächen ab. Sie empfangen den Besucher und scheinen ihn permanent zu beäugen. Auch diese Masken stammen wieder aus der Manufaktur von Jacob Julius Scharvogel. Ursprünglich befanden sich in diesem Schmuckhof zwei Keramikbrunnen. Beide Brunnen gingen im Zusammenhang mit den Modernisierungsmaßnahmen, die in  den 1960er Jahren vorgenommen wurden, verloren. Zu sehen aber sind bis heute die säulengeschmückten Seitenwände der Hofanlage.

Ebenso wie in Badehaus 5 gab es auch im angrenzenden Badehaus 6 keine Fürstenzelle.


Eingang Badehaus 7 Sprudelhof Bad Nauheim - Jugendstil
Eingang zum Badehaus 7
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Badehaus 7 – Bad Nauheim

Badehaus 7 verfügt über einen quer-rechteckigen Warteraum. Er wirkt – vor allem, wenn man ihn mit den anderen Warteräumen vergleicht – eher düster. Wendet man den Blick nach oben, so entdeckt man einen Umgang, der von einem schmiedeeisernen Geländer begrenzt wird. Die Fenster sind in zarten Farben gehalten.

Auch hier sind die Badezellen wieder in der typischen Form ausgestaltet und mit den schon bekannten Wassermotiven versehen. An dieser Ausgestaltung hat sich auch im zuletzt errichteten Badehaus 7 nichts verändert.

So düster der Warteraum anmutet, so hell und heiter erscheint der Schmuckhof von Badehaus 7. Hell leuchtendes Terrakotta empfängt hier den Besucher. Die Motive bestehen aus unbekleideten Männern, Frauen und Kindern. Aber – der Bildsprache im gesamten Sprudelhofkomplex folgend – gibt es natürlich auch hier wieder Meerestiere und andere Bilder, die sich dem Wasser widmen. Ergänzt werden diese Motive durch florale Elemente.

Badehaus 7 war auf dieser Seite des Sprudelhofs das einzige Badehaus, das ein Fürstenbad enthielt.


Weitere Bilder und Informationen zu den Badehäusern im Sprudelhof von Bad Nauheim finden Sie auf dem Pinterest-Board “Bad Nauheim – Jugendstil – Badehäuser”

Beitragsbild:
Marmorwanne im Fürstenbad von Badehaus 7 in Bad Nauheim –
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

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