Bad Nauheim Sprudelhof Großer Sprudel
Bad Nauheim heute

Bad Nauheim heute

Bad Nauheim heute – das ist vor allem die Gesundheitsstadt. Eine Stadt, die geprägt ist von Kurkliniken und Forschungsinstituten wie etwa dem Kerckhoff-Institut, das heute zur Max-Planck-Gesellschaft gehört.

Aber Bad Nauheim heute, das ist auch eine Stadt, die geprägt ist von ihrer langen Geschichte und ihrer Kultur, vor allem von ihrer Baukultur. Der Jugendstil, der durch Persönlichkeiten wie den Großherzog Ernst Ludwig und den Architekten Wilhelm Jost vor mehr als 100 Jahren hier Einzug hielt, der bestimmt und prägt diese Stadt bis heute.

„Nauheim! Es liegt ein Glanz von Sonnen- und herbstlichem Blättergold über der Stadt, wie ich vom Bahnhof zu den Anlagen hinuntergehe. Aus breiten Becken springen die drei Sprudel auf, die Becken dampfen, und leichte Schwaden treibt der Wind gegen die Arkaden der Badehäuser. Und dann wieder gepflegte Anlagen, breite Wege, grüne Rasenflächen, Baumgruppen, die zu entlegeneren und heimlicheren Plätzen im Grünen winken – aber vor mir, auf breiter Terrasse, schon über der tiefsten Stelle des Tales, das Kurhaus in entzückender Lage. Hier in seinen weiten Räumen hat uns schrankenlose Gastfreundlichkeit ein Heim für unsere Tagung zubereitet.“

Diese Zeilen schrieb ein gewisser K. Körner vor ziemlich genau 100 Jahren, als er nach Bad Nauheim kam, um einem Kongress beizuwohnen auf dem Albert Einstein erstmals seine allgemeine Relativitätstheorie öffentlich verteidigte.

Aber diese Zeilen könnte man noch heute genauso schreiben, denn am ersten Eindruck, den diese Stadt ihrem Gast vermittelt hat sich seither nichts geändert, auch nicht an der Gastfreundschaft.


Trinkkuranlage mit Musikmuschel Bad Nauheim
Trinkkuranlage mit Musikmuschel Bad Nauheim
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Stimmen über Bad Nauheim

„Es gibt in Europa wohl keine zweite Stadt mit solch einem ausgedehnten Bezirk von Jugendstilbauten, die auf Grund eines großzügigen Plans errichtet wurden, die einem einzigen Zweck dienen, und von denen man mit Recht sagen kann: sie bilden eine Einheit. Die Nauheimer Jugendstilbauten und Jugendstilanlagen gehören zu den bedeutendsten in Europa.
Ein Werk von so hohem Wert, von solcher Bedeutung bedarf des Schutzes. Allen Verantwortlichen ist, unabdingbar, eine hohe Verpflichtung auferlegt: das Bestehende in seiner Eigenart zu erhalten.“

E. Robert Niederhoff: Jugendstil in Bad Nauheim, Bad Nauheim 1974, S. 58.

Eingang Trinkkuranlage Bad Nauheim Ernst-Ludwig-Ring
Eingang zur Trinkkuranlage in Bad Nauheim vom Ernst-Ludwig-Ring
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

„Nauheim hat schöne Anlagen, Promenaden und Parks, wie es einem Heilort seines Ranges ansteht. Allein dergleichen findet sich auch anderswo. Was aber Nauheim von vielen Städten unterscheidet, ist, dass ein natürliches, nicht von menschlichen Händen geschaffenes Sinnbild seines Wesens hat: die weiße Wassersäule im Sprudelhof. Sie empfängt den Ankömmling, der vom Bahnhof her die Stadt betritt. Man muss sie in der Dämmerung sehen, im Winter, außerhalb der eigentlichen Kurzeit, zur menschenleeren Stunde. Da mag man ihrem Steigen und Fallen lange zuschauen oder geschlossenen Auges zuhören. Kein Frost kann sie bändigen, kein Sturm sie verkrümmen, durch alle Jahres-, alle Tageszeit steht sie in Bewegung, bewegt sich im Stillstande als eine gestaltgewordene Aussage von den ewigen Heilungskräften der Erde, die dem Menschen leihweise und untergeben wurde.“[2]

Werner Bergengruen: Deutsche Reise. Ein Erinnerungsbuch, 1934.

Sprudelhof Bad Nauheim
Sprudelhof Bad Nauheim mit Badehäusern um 1910
historische Postkarte

„Nirgends hat ein Landesvater – wie hier Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (1868-1937) – so engagiert an der Gestaltung einer vornehmlich für Andre bestimmten repräsentativen Bauaufgabe mitgewirkt und dabei eine so sorgsame und glückliche Hand bei der Einsetzung ingeniöser Mitarbeiter gezeigt. Nirgends anders hatte ein solches Mammut-Bauvorhaben (für insgesamt 10,5 Millionen Goldmark) das Glück, in einem Zuge, bei gleichbleibender Qualität, unter der gleichen Ägide von den gleichen Beamten, Künstlern und Handwerkern geplant, gebaut und vollendet zu werden (1903-1911/12).“

Britta Spranger: Führer durch den Sprudelhof Bad Nauheim. enthaltend Wilhelm Jost: Erinnerungen aus meinem Leben und Keramische Studien, hg. v. Britta Spranger, Mainz 2000, S. 11.

Großherzog Ernst Ludwig
Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein – Foto: Jacob Hilsdorf 1905 – gemeinfrei

Bis heute können die Worte des Großherzogs Ernst Ludwig, der d bau der Jugendstilanlagen von Bad Nauheim veranlasste gelten:

„Schon lange fühlte ich, daß von der Regierung zu wenig für Bad Nauheim geschah. Ich habe lange Kämpfe mit derselben gehabt, denn ich konnte zu Anfang den Herren nicht den Geschäftsgedanken beibringen, daß man viel in etwas hineinstecken muß, wenn man viel daraus herausholen will. Erst Finanzminister Gnauth verstand mich richtig. Nun aber wollten die Kammern nicht daran.
Zuletzt ist Bad Nauheim doch das geworden, was ich mir erträumte. Alle Pläne habe ich selbst mit durchgearbeitet. Und die Kurgäste sind zufrieden und bewundern die Anlagen.“

Großherzog Ernst Ludwig, zitiert nach Manfred Knodt: Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein. Seine Leben und seine Zeit, Darmstadt 1978, S. 247.

Und genau das tun sie bis heute!


Beitragsbild:
Bad Nauheim Sprudelhof Großer Sprudel
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

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