Kurbrunnen Ernst Riegel - Bad Nauheim
Architekten und Künstler

Ernst Riegel – ein Jugendstil Kunstschmied in Bad Nauheim

Ernst Riegel war ein deutscher Goldschmied, Kunstschmied, Kunstkeramiker und Hochschullehrer und zählt zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des Jugendstils. Er gehörte der berühmten Künstler-Kolonie der Darmstädter Mathildenhöhe an.

Geboren wurde Riegel 1871 im unterfränkischen Münnerstadt. Nach seiner ersten in Kempen absolvierten Lehre als Ziseleur setzte er seine Ausbildung als Goldschmied und Keramikkünstler in München fort, wo er seit 1890 die Kunstgewerbeschule besuchte und im Goldschmiedeatelier von Fritz von Miller arbeitete. Als Mitarbeiter Millers erhielt er auf der Pariser Weltausstellung 1900 die Goldmedaille für seine künstlerischen Leistungen woraufhin er ein eigenes Goldschmiedeatelier eröffnete.

Nach seinen Erfolgen auf der Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden wurde er 1906 in die Darmstädter Künstlerkolonie berufen um auf der Mathildenhöhe eine Werkstatt zu betreiben. Dort blieb er bis 1912 und wurde – wie viele andere Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie – Mitglied des Deutschen Werkbundes und unterrichtete an den Großherzoglichen Ateliers.

Während seiner Darmstädter Schaffensphase fertigte Riegel neben Schmuck, Prunk- und Ziergefäßen auch liturgische Gefäße und Gegenstände.

Messingleuchter Ernst Riegel
Messingleuchter von Ernst Riegel – Jugendstilforum Bad Nauheim
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Außerdem war Ernst Riegel an der Ausstattung vieler Kirchenbauprojekte der Region Hessen, vor allem jener des Darmstädter Architekten Friedrich Pützer beteiligt. Er fertigte 1912 beispielsweise das Altarkreuz und die großen Radleuchter der Wiesbadener Lutherkirche.

Des Weiteren war er berühmt für die Anfertigungen von Amtsinsignien, wie Amts- und Ehrenketten., die er für zahlreiche Rektoren und Oberbürgermeister entwarf und fertigte.

Seine künstlerische Begabung für das Keramikhandwerk stellte Riegel bei seinen Arbeiten für die Waechtersbacher Steingutfabrik unter Beweis.

Ernst Riegel Putto mit Füllhorn - Jugendstilforum Bad Nauheim
Ernst Riegel Putto mit Füllhorn – Jugendstilforum Bad Nauheim
Foto: M. Geisler, CC-by SA 4.0

Besonders erwähnenswert sind neben seinen Kunstschmiedearbeiten für die Gemeinden des Großherzogtums diejenigen die er für profane Bauten fertigte. Dies waren beispielsweise schmiedeeiserne Brunnenabdeckungen, Geländer, Tore und Gitter.  

Ernst Riegel in Bad Nauheim

Eine Vielzahl seiner Kunstschmiedearbeiten fertigte Riegel für das Jugendstil Kuranlagen in Bad Nauheim.

Beginnen wir am Bad Nauheimer Sprudelhof: Thematisch passend zum Sprudelhof, nämlich das Element Wasser aufgreifend – gestaltete Riegel die Geländer am Aufgang der großen Freitreppe zwischen den Verwaltungsgebäuden, denen er Wellen und Wasserblasen nachahmende geschwungene Formen gab.

Ernst Riegel - Bad Nauheim Geländer an Treppe zwischen Verwaltungsgebäuden
Geländer an der großen Treppe zwischen den Verwaltungsgebäuden im Bad Nauheimer Sprudelhof –
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Der tempelartige achteckige Brunnenpavillon ist der Mittelpunkt der Trinkkuranlage in Bad Nauheim.

Hierfür fertigte Riegel die schmiedeeisernen filigran gearbeiteten Gittertore mit Rundbogen an. Durch die Filigranität der spiralförmig geschwungenen Rankenformen nahm er dem Material seine Schwere. Dies wirkt sich auch auf die Atmosphäre des Innenraums der Trinkbrunneanlage aus. Genug Licht tritt ins Innere und gewährt dem Besucher zugleich einen Blick ins Freie, der keineswegs durch die Gitter ein Gefühl des Eingesperrtseins vermittelt.

Gittertor mit Vögeln Trinkkuranlage Bad Nauheim - Ernst Riegel
Gittertor mit Vögeln von Ernst Riegel in der Bad Nauheimer Trinkkuranlage –
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Die schmiedeeiserne Materialität der grünen Gitter wird nebst der Filigranität auch durch die heiteren Farben seiner dekorativen Elemente gebrochen.

Riegel schmückte die geschwungenen Gitterelemente mit symmetrisch angeordneten großen roten Blüten. Dabei bedient er sich zweier Blütenformen die an Hibiskusblüten und die Lutherrose erinnern. Ergänzt werden sie cremefarbenen Vögeln und Echsen. Schon von weitem ziehen die roten Blüten die Blicke der Besucher:innen an. Die dekorativen Elemente verschmelzen nicht mit den Gitterranken sondern wirken eher wie eben erst dort “gelandet”.

Eines der drei Gittertore unterscheidet sich durch sein Dekor im Rundbogen. Hier schmücken das ovale von spiralförmigen Ranken eingefasste Medaillon nicht wie bei den anderen beiden Toren Vögel, sondern der hessische Wappenlöwe.

Gittertor Ernst Riegel Trinkkuranlage Bad Nauheim
Gittertor mit hessischem Löwen in der Trinkkuranlage von Bad Nauheim –
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Für das Innere des Brunnenpavillons schuf Riegel die goldfarbene Rundkuppel des Ausschankbrunnens. Auch hier finden sich, die von ihm oft an anderen Objekten verwendeten schneckenförmigen Rundformen deren Elemente netzartig die Kuppel bilden.

Kurbrunnen Ernst Riegel - Bad Nauheim
Der Kurbrunnen von Bad Nauheim in der Trinkkuranlage mit Metallarbeiten von Ernst Riegel –
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

Eine weitere Brunnenabdeckung mit ähnlicher Motivik fertigte er für den großen Ausschankbrunnen in der Trinkhalle der Trinkkuranlage von Bad Nauheim.

Trinkhalle Trinkkuranlage Bad Nauheim
Die Trinkhalle in der Trinkkuranlage von Bad Nauheim
Foto: A. Kircher-Kannemann, CC-by SA 4.0

1913 verließ Riegel die Mathildenhöhe um in Köln einen Lehrauftrag an der Handwerks- und Kunstgewerbeschule anzunehmen. Dort leitete er unter anderem die Goldschmiedeklasse des Instituts für religiöse Kunst. In Köln blieb er bis zu seiner Pensionierung 1933 tätig, während er parallel als externes Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie und des Werkbundes weiterhin an Ausstellungen teilnahm.
Ernst Riegel verstarb im Jahr 1939.

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