alte Saline Bad Nauheim
Saline

Der Neubau der Saline von Bad Nauheim

Die Saline gehört einfach zu Bad Nauheim, denn der Ursprung Bad Nauheims liegt in einem kleinen Söderdorf. Schon die Kelten haben hier an der Usa Salz gewonnen und schon sie errichteten hier große Anlagen, um mit dem weißen Gold Geld zu verdienen und Handel zu treiben. Welche Schätze man mit Salz gewinnen konnte, das kann man noch heute ein paar Kilometer von Bad Nauheim entfernt in der Keltenwelt am Glauberg besichtigen.

Im Laufe des Mittelalters und vor allem der Frühen Neuzeit wurde die Salzgewinnung immer effizienter. Immer neue Techniken wurden entwickelt, um den Salzgehalt des Wassers zu erhöhen. Eine der wichtigsten Erfindungen in diesem Zusammenhang waren sicherlich die sogenannten Gradierwerke, bzw. Gradierbauten, die noch heute in Bad Nauheim zu sehen sind.

Aber trotz aller technischen Verfeinerungen wurde die Gewinnung von Salz im Laufe der Neuzeit unrentabel. Für den Badebetrieb allerdings war das Salz wegen seiner Inhaltsstoffe von Nutzen und so entschloss man sich bei der Neugestaltung von Bad Nauheim zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine neue Saline zu bauen.

Wilhelm Jost berichtete im Zentralblatt der Bauverwaltung im Jahr 1911 von der Geschichte der Salzgewinnung in Bad Nauheim und vom Neubau der Saline:


alte Saline Bad Nauheim
Die alte Saline Bad Nauheims – historische Postkarte

Die Geschichte der Saline von Bad Nauheim

„Die Bad Nauheimer Saline hat ein ehrwürdiges Alter. Lange bevor man daran dachte, die Quellen zu Heilzwecken zu verwenden, wurde Salz bereitet. Die zum Teil jetzt noch stehenden alten Salinengebäude und die Gradierwerke, deren übrigens in der Glanzzeit eine ganze Reihe mehr standen, rühren der Mehrzahl nach aus der Zeit des verdienten Salinenvorstandes Waiz von Eschen, aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Damals wurde der große Teich als Stauweiher für die Wasserkünste (Triebräder für den Antrieb der Pumpen zur Hebung der Sole auf die Gradierwerke) angelegt und die kunstvollen, aus Holz mit Eisenverbindungen gefertigten Kraftübertragungen ausgeführt. Im Jahrg. 1909 d. Bl., S. 3 sind einige der alten Gebäude abgebildet.“


Grundriss neue Saline Bad Nauheim
Grundriss der neuen Saline von Bad Nauheim
aus: Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 101 (1911) S. 643-644, hier S. 643.

Die Saline und der Salzgehalt der Sole

„Mit der Entwicklung des Bades ist die Saline in ihrem eigentlichen Zweck in den Hintergrund getreten, weil die Salzgewinnung bei dem geringen Salzgehalt der Sole unwirtschaftlich, die Nebenerzeugnisse, Mutterlauge und Badesalz, aber für den Badebetrieb kostbare Stoffe und deshalb unentbehrlich geworden sind. Dazu kam, daß die alten Salinengebäude ein ganzes Stadtviertel einnahmen, das, unmittelbar an den Kur- und Karlsbrunnen anschließend, für die Weiterentwicklung des Bades von großer Bedeutung war. Man beschloß also, die alten Gebäude abzureißen, das freiwerdende Gelände der Bebauung zu erschließen und eine neue Saline zu bauen, die natürlich die seither in vielen Gebäuden zerstreuten Teile des Betriebs in einem Bau vereinigen sollte. Der Neubau mußte in einem Siederaum drei Kochsalz- und eine Mutterlaugenpfanne, jede mit besonderer Feuerung und Kamin, aufnehmen, vor denen ein gemeinsamer Störraum mit Kohlenbunker und Gleisanschluß liegen sollte. Jenseit des Siederaums wurde der Salzspeicher angeordnet, und es wurde für die Trocknung und die Beförderung des Salzes eine neuzeitlichere Anordnung getroffen. Während früher das aus den Pfannen ausgezogene Salz in sogenannten Spitzkörben in einem Trockenraum aufgesetzt wurde und einige Tage Jang trocknen mußte, um dann von Hand in die Speicher getragen zu werden, wird es bei der neuen Anlage in einer Schwebebahn zu zwei Schleuderanlagen gefahren, dort getrocknet, mittels eines Becherwerks auf den Dachboden gehoben und auf ein Förderband abgeworfen, von wo es in die einzelnen siloartig eingerichteten Speicher auf Höhe etwa 4 m geschüttet wird. Zur Verwertung des aus den Dampfmaschinen der Zentrale freiwerdenden Abdampfs ist ferner in einem der Zentrale am nächsten liegenden Raume eine Vorverdampfanlage eingebaut, in der die von den Gradierwerken mit etwa 18 bis 20 vH. Salzgehalt ankommende Sole bis auf 25 bis 26 vH. angereicbert wird. Durch diese Anlage wird eine jährliche Kohlenersparnis von etwa 6000 bis 7000 Mark erzielt werden.“


Dachstuhl neu Saline Bad Nauheim
Dachstuhl der Saline in Bad Nauheim
aus: Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 101 (1911) S. 643-644, hier S. 644.

Das Salinengebäude

„Außer diesen Haupträumen sind in dem Gebäude noch Aufenthaltsräume für Heizer und Sieder, ein Amtsraum für den Steueraufseher, ein Raum für Denaturierungsmittel und ein kleiner Vorratsraum für Kisten u. dergl. untergebracht. ln einem besonderen kleinen Gebäude, auf dem der alte Dachstuhl der früheren Schmiede mit dem Vesperglöckchen wieder aufgestellt worden ist, liegen drei Amtsräume für die Verwaltung sowie Bäder und Aborte; dieser Bau ist mit der Saline durch einen bedeckten Gang verbunden. In dem anschließenden großen Salinenhof wurde ferner ein Schuppen errichtet, der die Werkstätten der Salinenmaurer, -schreiner und -schlosser und Räume für Rohmaterialien aufnimmt, die zum Betrieb der Saline und der Gradierwerke nötig sind.
Ohne Zusammenhang mit der Saline ist an einem der Gradierwerke an tiefster Stelle ein Pumpenhaus erbaut worden, in dem die neuen elektrischen Solpumpen aufgestellt sind. Die Sole wird jetzt mit diesen Pumpen sowohl auf die Gradierwerke als auch nach der neuen Saline gepumpt. Dieses Häuschen wurde mit Rücksicht auf die Nachbarschaft der alten Gradierwerke in Bruchstein wie die Pfeiler dieser Bauten aufgeführt und mit alten Ziegeln der abgebrochenen Salinengebäude gedeckt.“


Lageplan neue Saline Bad Nauheim
Lageplan der neuen Saline von Bad Nauheim
aus: Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 101 (1911) S. 643-644, hier S. 643.

Die Bauart der neuen Saline von Bad Nauheim

„Die Saline selbst, wegen des Gleisanschlusses und der Dampfzuleitung von der Zentrale wie diese jenseit des Bahnhofs in nächster Nähe der Zentrale und Waschanstalt errichtet, zeigt im Äußeren Bruchsteinmauerwerk mit Ziegeldach. Die Bruchsteine, ein ziemlich glasiger fester Quarzit (Taunusquarzitwerke, Köppern bei Homburg v. d. H.), haben sich gegen die Einwirkungen der Sole besser bewährt als Ziegelsteine. Innen ist zu allen Stützen, zu dem Gebälk und zum Dachwerk nur Holz verwandt worden, weil auch Eisen wegen des starken Rostens nicht verwendbar war. Auch die 4 m hohen Wände der einzelnen Salzmagazine sind aus Holzbohlen (Lärchenholz) ausgeführt, und die Dachbinder des sogenannten Behälterhauses, in dem die Vorverdampfer aufgestellt sind, wurden wegen der großen Spannweite nach der patentierten Bauart der Firma „Holzbau Meltzer“ hergestellt. Bei dieser Bauart werden einzelne dünne Stäbe aus australischem Hartholz zu vier, zu sechs und mehr mit besonders gehärteten Stahlstiften verbunden, wobei eine ganz außerordentliche Festigkeit erreicht wird. Die Stahlstifte sind in unserem Fall noch unter die Oberfläche einige Millimeter versenkt und mit Paraffin gegen die Einwirkung der Feuchtigkeit geschützt. Am ganzen Dachwerk ist kein sichtbares Eisen.“


Querschnitt neue Saline Bad Nauheim
Querschnitt durch die neue Saline von Bad Nauheim
aus: Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 101 (1911) S. 643-644, hier S. 643.

Die Saline und die Kosten

„Das Gebäude ist im Herbst 1910 begonnen und im Juni 1911 in Betrieb genommen worden. Die Kosten betragen für die Saline mit Bureauhaus ausschließlich der eigentlichen Betriebseinrichtungen (Pfannen, Zentrifugen, Becherwerk, Transportband und Vorverdampfer), aber einschließlich der Kosten für die Pfannenmäntel und Deckel über den Vorverdampfern etwa 175 000 Mark, oder für die Einheit des umbauten Raumes etwa 10,28 Mark; außerdem sind für Schornsteine und Feuerzüge 17 000 Mark, für die Pflasterung des Hofes zwischen Saline und Bureauhaus 2600 Mark, für die Mutterlaugebehälter aus Eisen einschließlich Grube und Überdeckung 6100 Mark und für die Einfriedigung des großen Salinenbofes 7200 Mark aufgewendet worden. Der Schuppen kostet etwa 15 000 Mark, das Pumpenhaus ohne Pumpen 7500 Mark.
Die Erd- und Maurerarbeiten sind von Th. Morschel, Friedberg, die Zimmerarbeiten, eine besonders große und wichtige Arbeit, von B. Nuhn, Lollar, ausgefübrt, das große Oberlicht über der Transportbandanlage von CI. Meyn, Frankfurt a. M. (Degenhartsprossen), die Kamine und Feuerzüge von Franz Hof, Frankfurt a. M., der säurefeste Fußboden im Siedebaus von den Dörritwerken, München, und die Betonarbeiten von Lolat A.-G., Zweigniederlassung Gießen.
Entwurf und Ausführung besorgte die Baubehörde für die Neubauten in Bad Nauheim unter Leitung des Unterzeichneten, dem der Großh. Regierungsbaumeister Dr. Lipp als Mitarbeiter zur Seite stand.
Jost.“[1]


[1] Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung Nr. 101 (1911) S. 643-644.


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Beitragsbild:
Ansicht der alten Saline von Bad Nauheim
aus: Wilhelm Jost: Die Neuanlage von Bad Nauheim, in: Wilhelm Jost: Die Neuanlagen von Bad Nauheim, in: Zentralblatt der Bauverwaltung, Nr. 1 (1909) S. 2-6, hier S. 3.

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